Startseite > Museum, Trends > Schweiz – weltweit höchste Museumsdichte

Schweiz – weltweit höchste Museumsdichte

„Die Schweiz hat weltweit die höchste Museumsdichte. Immer wieder eröffnen neue Museen ihre Tore, so auch im Kanton Bern. Entscheidend fürs Überleben bei der grossen Konkurrenz sind die Qualität und die Vermarktung.

In den Sechzigerjahren gab es gerade einmal dreihundert Museen in der ganzen Schweiz. Heute sind es rund tausend. Seit letztem Juni ist der Kanton Bern um eines reicher: Da eröffnete das Kunsthaus Interlaken seine Tore.

Ein Überangebot? Mitnichten, meint Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur. Aber er weiss auch: «Es ist nicht nur wichtig, viele Museen zu haben, sondern auch die Qualität gewährleisten zu können.» Und an diese stellten die Besucher heute ganz andere Ansprüche als noch vor dreissig Jahren.

«Durch die Globalisierung haben die Leute ganz andere Vergleichsmöglichkeiten. Sie kennen die Museen in Abu Dhabi oder Bilbao und haben dementsprechend hohe Erwartungen», sagt Jauslin. So müssen heutzutage Schweizer Museen eine Qualität anbieten, die international mithalten kann. Ein solches Flaggschiff sieht Jauslin beispielsweise in Bern: beim Zentrum Paul Klee. Das Museum zieht mit seinem Programm viele Touristen an – was schlussendlich auch dem Städtetourismus zugutekommt, der heute stark vom Kulturangebot lebt.

Grosse Konkurrenz

Doch ist Qualität allein schon ausreichend? In der Region Bern konkurrenzieren sich heute beispielsweise jene Kunstmuseen, die vor ein paar Jahren noch ein eigenständiges Programm aufweisen konnten. Das Kunstmuseum Bern zeigte unlängst eine Retrospektive der britischen Skandalkünstlerin Tracey Emin, die ebenso gut in die progressive Kunsthalle gepasst hätte.

Das Zentrum Paul Klee, das Kunstmuseum Thun, das Museum Franz Gertsch, das Kunsthaus Langenthal oder auch das Centre Pasquart in Biel realisieren thematische Ausstellungen mit Gegenwartskünstlern. Damit buhlen sie mehr oder weniger um das gleiche Publikum.

Jauslin betont, es sei nicht seine Aufgabe, über die Ausstellungen zu richten. «Leider werden einige Museen aber bestimmt verschwinden», ist er überzeugt. Die Professionalisierung schreite unaufhaltsam voran, Sammlungen müssten gepflegt und ad hoc gezeigt werden. Wer da nicht mithalten könne, drohe unterzugehen. Bestes Beispiel: Erst diesen Sommer schuf das Museum Franz Gertsch in Burgdorf die künstlerische Leitung ab, das Programm droht zu verkümmern.

Boomjahre sind vorbei

«Die Boomjahre der Museumsgründungen sind sicher vorbei. Museumsschliessungen kommen auch im Kanton Bern vor, sind aber selten. Es gibt mehr Neugründungen, sodass man mit Blick auf die letzten Jahre von einer leichten Zunahme ausgehen darf», sagt Susanne Jost, Geschäftsleiterin des Vereins der Museen im Kanton Bern (mmBE).

«Ein wichtiger Trend, der hier deutlich erkennbar wird, sind die Erneuerung von Dauerausstellungen sowie die Neuausrichtung entlang von Sammlungsschwerpunkten und die gezieltere Positionierung, die vor allem auch kleinere Museen anstreben», stellt Jost fest.

Im Kanton Bern buhlen rund 115 Museen und museumsähnliche Kulturinstitutionen um die Gunst des Publikums. Die grosse Mehrheit widmet sich kulturhistorischen Themen, wie zum Beispiel das Historische Museum in Bern. Nur etwa 15 Museen sind rein kunsthistorisch ausgerichtet oder setzen auf Gegenwartskunst. Ein wichtiges Segment in der Berner Museumslandschaft bilden neben archäologischen und naturhistorischen Sammlungen jene Museen, die sich einem Spezialgebiet widmen oder stark biografisch ausgerichtet sind, etwa das Einstein-Museum.

Regelmässige Besucher

Aber nutzen Herr und Frau Schweizer dieses grosse Kulturangebot überhaupt? Mit dieser Frage hat sich Arlette Mottaz Baran, Leiterin Forschung am Institut für Anthropologie und Soziologie der Universität Lausanne, intensiv beschäftigt. In ihrer Studie von 2001 bis 2003, für die sie hundert Museen in allen drei Sprachregionen berücksichtigte, fand sie heraus, dass sich die Besucher vor allem für die Museen in der eigenen Region interessieren. Die Schweizer gehen im Durchschnitt einmal pro Monat in ein Museum – immerhin dreimal mehr als die Franzosen.

Auch die verschiedenen Bedeutungen des Museums hat man in der Schweiz erkannt: Die über zweitausend Befragten der Studie nehmen die Institutionen nicht bloss als Orte des Vergnügens und des Konsums wahr. Für die meisten steht die Vermittlung und die Bewahrung des Kulturerbes im Vordergrund – sie erwarten mehr als blosse Inszenierungen und Spektakel. Erstaunlich: Schliesslich arbeiten gerade die grossen Museen immer stärker auf solche Events hin.

Quelle: http://bazonline.ch/kultur/kunst/Jedem-Schweizer-sein-Museum/story/19828904
Zugriff: 04.09.2010

Kategorien:Museum, Trends Schlagwörter: , , ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: